Fragen und Antworten

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Was bedeutet der Begriff Pflegebedürftigkeit?

Sie sind pflegebedürftig, wenn Sie gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb die Hilfe durch andere Personen benötigen. Zum Kreis der pflegebedürftigen Personen gehören Sie, wenn Sie körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitliche Belastungen haben und diese nicht selbstständig ausgleichen oder bewältigen können. Zusätzlich muss die Pflegebedürftigkeit auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen, damit Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden können.

Wie findet die Einstufung in einen Pflegegrad statt?

Sobald Sie einen Antrag auf Pflegeleistungen bei Ihrer Krankenkasse gestellt haben, erhalten Sie einen Termin zur Pflegebegutachtung. Gutachter*innen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder anderer Begutachtungsstellen überprüfen mit Hilfe eines Begutachtungsinstrumentes (BI), in einem Gespräch mit Ihnen, sechs unterschiedliche Lebensbereiche (sogenannte Module). Es wird eingeschätzt, wie aktiv oder selbstständig Sie in den Bereichen sind und wo Sie Unterstützung brauchen.

Überblick zu den Modulen und einigen inhaltlichen Beispielen:

  1. Mobilität: Treppensteigen, Innerhalb des Wohnbereichs fortbewegen.
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Zeitliche oder örtliche Orientierung, andere Menschen im Gespräch verstehen.
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Wahnvorstellungen, Ängste, Unruhe in der Nacht, Abwehr pflegerischer Maßnahmen.
  4. Selbstversorgung: Essen, Trinken, Körperpflege (sich selbstständig waschen und anziehen).
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Die Fähigkeit haben selbstständig Medikamente einzunehmen, den Arzt eigenständig besuchen.
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte: Selbständige Gestaltung des Tagesablaufs, Ruhen und Schlafen.

Die Einschätzung des Pflegebedarfs kann bis zu einer Stunde dauern. Die sachverständige Person schaut sich auch die häusliche Umgebung an. Ebenso erfragt sie, ob weitere Unterstützung benötigt wird, wie:

  • Leistungen zur medizinischen Rehabilitation,
  • Hilfsmittel/Pflegehilfsmittel (wie Rollator),
  • Heilmittel und andere therapeutische Maßnahmen (wie Ergo- oder Physiotherapie),
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (barrierearme Gestaltung der Wohnräume),
  • Pflegekurse für pflegende Angehörige oder weitere Beratung zu bestimmten Erkrankungen,
  • Andere vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen in der häuslichen Pflege (wie Fragen zur Sturzvermeidung).

In jedem Lebensbereich geben die Gutachter*innen, je nachdem wie viel Unterstützung Sie in Ihrem Alltag benötigen, eine Anzahl von Punkten. Diese Punkte fließen unterschiedlich gewichtet in die Gesamtwertung ein. Der Bereich Selbstversorgung erhält zum Beispiel mehr Gewicht als der Bereich Mobilität. Am Ende ergibt sich ein Gesamtpunktwert, von dem wird abgeleitet ob Sie in die Pflegegrade 1 bis 5 eingestuft werden oder keinen Pflegegrad bekommen. 

Wie können Sie sich für eine Begutachtung vorbereiten?

  • Überlegen Sie sich im Voraus, was Ihnen im Alltag besonders Schwierigkeiten macht. Wobei brauchen Sie Unterstützung? Was können Sie noch selbstständig schaffen? Machen Sie sich dazu einige Notizen.
  • Der Begutachtungstermin sollte in einer realen Pflegesituation stattfinden. Schließlich ist der Besuch des MDK nur eine Momentaufnahme.
  • Bitten Sie eine Person aus Ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis anwesend zu sein. Falls Ihnen bereits ein ambulanter Pflegedienst bei der Pflege hilft, lassen Sie sich von einer Pflegefachkraft unterstützen. Halten Sie die Pflegedokumentation bereit.
  • Legen Sie alle Krankheitsberichte (Arzt-, Reha- und Klinikberichte) sowie einen aktuellen Medikamentenplan als Kopie bereit.
  • Bereiten Sie sich darauf vor, dass sehr persönliche Fragen (wie Waschen des Intimbereichs) gestellt werden.

Welche Begutachtungseinschränkungen gibt es in der Corona-Pandemie?

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und andere Prüforganisationen nehmen im März 2021 die persönlichen Hausbesuche zur Feststellung eines Pflegegrades wieder auf. Die Besuche werden mit aller Vorsicht und unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes erfolgen. Als zu begutachtende Person wird sowohl Ihre persönliche Risikosituation der als auch das regionale Pandemiegeschehen berücksichtigt. Der MDK hält bei den Hausbesuchen strenge Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen ein. Da gehören regelmäßige Testungen der Gutachter*innen, das Tragen von FFP2-Masken und das Einhalten der Abstands-und Hygieneregeln.
Im Ausnahmefall, bei einem besonders hohen Infektionsrisiko, kann die Pflegebegutachtung auf Basis der vorliegenden Unterlagen und eines ergänzenden strukturierten Telefoninterviews mit der pflegebedürftigen Person und den Bezugspflegepersonen erfolgen.

Was kann ich machen, wenn ich mit dem Ergebnis der Begutachtung nicht einverstanden bin?

Die Entscheidung über den Pflegegrad und damit über die Leistungen der Pflegekasse erhalten Sie in einem schriftlichen Bescheid. Dieser enthält auch eine Kopie des Gutachtens. Wenn Sie der Meinung sind, dass die Einstufung in einen Pflegegrad nicht Ihrer tatsächlichen Situation entspricht, können Sie gegen den Bescheid Widerspruch einlegen. Die Frist hierfür beträgt in der Regel einen Monat nach Zustellung des Bescheides. Es genügt ein formloses Schreiben mit kurzer Mitteilung, dass Sie Widerspruch einlegen wollen. Sie können gleich eine Begründung nennen oder diese später nachreichen. Verwenden Sie hierfür am besten ein Einschreiben mit Rückschein.

Welche Leistungsbeträge der Pflegeversicherung erhalte ich in den Pflegegraden 1 bis 5?

Eine Übersicht der Hauptleistungsbeträge finden Sie hier:

 Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
Geldleistung
ambulant
125 Euro*316 Euro545 Euro728 Euro901 Euro
Sachleistung
ambulant
 689 Euro1.298 Euro1.612 Euro1.995 Euro
Leistungsbetrag
stationär
125 Euro770 Euro1.262 Euro1.775 Euro2.005 Euro

* Steht als Geldbetrag für Erstattung der Betreuungs- und Entlastungsleistungen zur Verfügung.

Welche weiteren Leistungen der Pflegeversicherung erhalte ich bei Pflegegrad 1?

Der Pflegegrad 1 ist die erste Stufe der Pflegebedürftigkeit und bedeutet, dass Sie noch weitestgehend selbständig sind und geringe Unterstützung benötigen. Sie haben Ansprüche auf:

  • Pflegefachliche Beratung, beispielsweise bei einem Pflegestützpunkt,
  • Beratung zu Hause, alle sechs Monate beispielsweise über einen ambulanten Pflegedienst,
  • Wohngruppenzuschlag,
  • Versorgung mit Pflegehilfsmitteln und technischen Hilfsmitteln,
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen,
  • Pflegekurse oder – schulungen für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen,
  • Entlastungsbetrag,
  • Zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen,
  • Wohnen in einer stationären Pflegeeinrichtung.

Welche weiteren Leistungen der Pflegeversicherung erhalte ich in den Pflegegraden 2 bis 5?

Für die Unterstützung bei der häuslichen Pflege stehen Ihnen bei den Pflegegraden 2 bis 5 verschiedene Leistungen zur Unterstützung zur Verfügung:

  • Pflegegeld: als pflegebedürftige Person organisieren Sie Ihre Pflege selbst.
  • Sachleistung: ein professioneller Pflegedienst kümmert sich um Sie.  
  • Kombinationsleistung: Sie bekommen Pflegegeld ausgezahlt und teilweise Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst.
  • Entlastungsbetrag,
  • Umwandlungsanspruch ab Pflegegrad 2,
  • Verhinderungspflege,
  • Tages- und Nachpflege,
  • Kurzzeitpflege,
  • Beratungseinsätze zu Hause, beispielsweise über einen ambulanten Pflegedienst,
  • Versorgung mit Pflegehilfsmitteln und technischen Hilfsmitteln,
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.

Welche Unterstützung bekomme ich mit dem Entlastungsbetrag?

Die Pflegeversicherung stellt Ihnen als pflegebedürftige Person monatlich einen Entlastungsbetrag in Höhe von maximal 125 Euro zur Verfügung. Diese finanzielle Leistung wird nicht ausgezahlt, sie kann nur zweckgebunden für Angebote zu Ihrer persönlichen Betreuung und Entlastung Ihrer pflegenden Angehörigen verwendet werden. Sofern die Pflegeleistungen durch das Sozialamt finanziert werden, haben Sie ebenfalls Anspruch auf den Entlastungsbetrag ab dem Pflegegrad 1.

Erstattungsfähige Angebotsformen sind:

  • Niedrigschwellige Betreuungsleistungen (wie Betreuungsgruppen für demenzkranke Personen),
  • Familienentlastende Dienste (wie Assistenzdienste oder soziale mobile Dienste),
  • Alltags- beziehungsweise Pflegebegleitung (wie Nachbarschaftshilfen oder Seniorenassistenzdienste),
  • Ambulante Pflege- und Betreuungsdienste (wie Alltagshilfen, Fahr- und Begleitdiensten und hauswirtschaftlichen Leistungen)

Alle Angebote zur Unterstützung im Alltag müssen durch das jeweilige Landesrecht zugelassen sein.

Im Pflegegrad 1 kann der Entlastungsbetrag auch für Leistungen aus dem Bereich der Selbstversorgung wie zum Beispiel Duschen, Baden oder der Inkontinenzversorgung eingesetzt werden.

In den Pflegegraden 2 bis 5 kann der Entlastungsbetrag zur Bezuschussung des Eigenanteils von Tages,- Nacht-, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege verwendet werden. Damit können die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Fahrtkosten und/oder Investitionskosten anteilig erstattet werden. Ebenso können anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag im Rahmen der Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden (zum Beispiel Freizeiten für Menschen mit Behinderung). Außerdem gilt: werden bereits Pflegesachleistungen beansprucht, können davon bis zu 40 Prozent des nach dem Pflegegrad zustehenden Pflegesachleistungsbetrags in Entlastungsleistungen im Alltag umgewandelt werden. Voraussetzung ist, dass der Betrag für die Pflegesachleistung noch nicht vollständig aufgebraucht wurde.

Wird der Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich im laufenden Jahr nicht ausgeschöpft, kann der angesammelte Betrag bis zum 30. Juni des Folgejahres in Anspruch genommen werden. Danach verfällt der Restbetrag.

In der Corona-Pandemie gelten Sonderregeln für den Entlastungsbetrag. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wie kann ich die häusliche Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen sichern?

Die Pflegeversicherung unterstützt mit einer Vielzahl von Leistungen solange wie möglich als pflegebedürftige Person zu Hause versorgt zu werden. Ab dem Pflegegrad 2 bestehen Ansprüche die auch entlastend für Sie als Pflegeperson sind.

  • Unterstützung durch eine pflegefachliche Beratung zur Verbesserung der häuslichen Pflegesituation,
  • Anpassung der Pflegesituation durch wohnumfeldverbessernden Maßnahmen (bis zu 4.000 Euro Unterstützung) beispielsweise beim Badumbau,
  • Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst,
  • Einsatz des Entlastungsbetrages (bis zu 125 Euro monatlich) für hauswirtschaftliche Unterstützung und Betreuung,
  • Inanspruchnahme der Verhinderungs- oder Urlaubspflege (bis zu 1.612 Euro und 42 Tage im Jahr) für Sie als Pflegeperson durch Bekannte oder Familienmitglieder,
  • Nutzung einer Tagespflege (unterschiedliche finanzielle Unterstützung nach Pflegegrad) für eine tageweise Auszeit für die Pflegeperson,
  • Kurzzeitpflege zur vollstationären Pflege Ihrer pflegebedürftigen Person  (1.612 Euro bis zu 56 Tage im Jahr) und Entlastung für die Pflegeperson oder zur häuslichen Anpassung an den Pflegebedarf,
  • Verwendung von Pflegehilfsmitteln und Unterstützung von technischen Hilfsmitteln (wie einem Pflegebett,
  • Einsatz eines Hausnotrufsystems oder weitere technische Unterstützungen für ein selbstbestimmtes Alltagsleben (wie Abschaltautomatik für den Herd, Bewegungsmelder, Lichtschranken, Rauchwarnmelder),
  • Mit einem regionalen Bringeservice von Speisen (Essen auf Rädern oder Service Essen) wird der Alltag entlastet und Abwechslung in den Speiseplan gebracht,
  • Unterstützungs- und Pflegenetzwerk mit  Angehörigen, Nahestehenden oder Nachbar*innen bilden. Entlastet Sie als Pflegeperson.

Welche Unterstützungen bekommen pflegende Angehörige und Pflegepersonen?

Die Pflegeversicherung, sowie das Pflegezeit- und Familienpflegezeit-Gesetz bieten Pflegepersonen und pflegenden Angehörigen einige Hilfen an.

Bei der Pflege von Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1 bis 5:

  • Anspruch auf Pflegeberatung (mit Zustimmung der pflegebedürftigen Person auch in der Häuslichkeit Ihres zu Pflegenden).
  • Kostenlose Pflegekurse und Schulungen für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen, auch bei Ihrer zu pflegenden Person zu Hause.
  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung und Pflegeunterstützungsgeld bis zu 10 freie Arbeitstage für berufstätige Pflegepersonen um die Pflegesituation
  • Pflegezeit für berufstätige Pflegepersonen, unter bestimmten Bedingungen bis zu sechs Monate vollständige oder teilweise Arbeitsbefreiung zur Pflegeübernahme zu Hause. Ebenso kann bis zu drei Monate für die Begleitung in der letzten Lebensphase einer pflegebedürftigen nahen Person genommen werden.
  • Familienpflegezeit für berufstätige Pflegepersonen, die sich für eine Pflegeübernahme einer pflegebedürftigen nahen Person in häuslicher Umgebung bis zu 24 Monate teilweise von der Arbeit freistellen lassen wollen.
  • Zur  Sicherung des Lebensunterhaltes während der Pflege- und Familienpflegezeit besteht Anspruch auf ein zinsloses Darlehen. Das Darlehen beantragen Sie  beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA).

Bei der Pflege von Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 bis 5:

Pflegepersonen, die die Versorgung von Pflegebedürftigen in deren Häuslichkeit und  nicht berufstätig ausüben haben Anspruch Sozialleistungen, wie:

  • Rentenversicherung: Pflegepersonen beziehen zusätzliche Rentenpunkte, wenn die eigene Berufstätigkeit unter 30 Stunden beträgt und die pflegebedürftige Person mindestens 10 Stunden an wenigstens 2 Tagen in der Woche versorgt wird.
  • Unfallversicherung: unfallversichert sind alle Tätigkeiten, die im Rahmen der Pflegetätigkeit anfallen, versichert sind Pflegepersonen, die mindestens an 2 Tagen in der Woche mit wenigstens 10 Stunden eine pflegebedürftige Person versorgen.
  • Arbeitslosenversicherung: versichert sind Pflegepersonen, die mindestens an 2 Tagen in der Woche mit wenigstens 10 Stunden bei einer pflegebedürftigen Person tätig sind. Die Pflegepersonen müssen vor ihrer Pflegetätigkeit in der Arbeitslosenversicherung versichert gewesen sein, beispielsweise aufgrund eines Beschäftigungsverhältnisses oder dadurch, dass bereits eine Leistung wie Arbeitslosengeld, bezogen wird. Nach dem Ende der Pflegetätigkeit besteht für Pflegepersonen die Möglichkeit Arbeitslosengeld zu beantragen und Leistungen der Arbeitsförderung zu beanspruchen. Diese Regelung ist möglich sofern nicht ohnehin schon eine Absicherung in der Arbeitslosenversicherung besteht, zum Beispiel aufgrund einer Teilzeitbeschäftigung.

Wie wird ein stationärer Pflegeheimplatz finanziert?

Die Kosten für einen vollstationären Pflegeplatz setzen sich aus vier Teilbereichen zusammen:

  • Pflege- und Betreuungskosten: Dazu zählen Aufwendungen für die Pflege, die soziale Betreuung und die medizinische Behandlungspflege. In diesem Pflegesatz enthalten ist der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE), den die Pflegeeinrichtung mit der Pflegekasse oder dem Sozialhilfeträger ermittelt und der bei allen Pflegebedürftigen in den Pflegegraden 2 bis 5 gleich hoch ist. Das ist seit Januar 2017 gesetzlich so festgelegt – unabhängig vom Pflegegrad haben alle Bewohner*innen den gleichen Anteil zu den Pflegekosten. Er kann jedoch von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich sein.
  • Unterkunfts- und Verpflegungskosten: beinhalten die Kosten für Verpflegung, hauswirtschaftliche Leistungen sowie Verbrauchskosten (wie Heizung).
  • Investitionskosten: Darin sind Kosten zur Herstellung und Erhaltung des Einrichtungsgebäudes enthalten (mit einer Kaltmiete vergleichbar).
  • Zusatzkosten: können für zusätzliche Dienstleistungen, wie zum Beispiel Telefon, Fernsehen, WLAN oder besonders komfortable Zimmer, anfallen.

Da die Kosten für Verpflegung, Unterkunft, Investitionen und Komfortleistungen je nach Einrichtung sehr unterschiedlich ausfallen können, ist es empfehlenswert, sich bei der Auswahl einer stationären Pflegeeinrichtung darüber zu informieren.

Von der Pflegekasse gibt es folgenden monatlichen Zuschuss zu den Pflege- und Betreuungskosten:

Pflegegrad (PG)Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
Leistungsanspruch*770 Euro1.262 Euro1.775 Euro2.005 Euro

* Wird bei Pflegegrad 1 die vollstationäre Pflege in Anspruch genommen, zahlt die Pflegeversicherung einen Zuschuss in Höhe des Entlastungsbetrages von 125 Euro.

Was ändert sich für Krankenversicherte, Pflegebedürftige und pflegende Angehörige im neuen Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG)?

Der Gesetzesentwurf zum Reformvorhaben wurde am 25. Juni 2021 vom Bundesrat beschlossen und im Bundesanzeiger am 19. Juli 2021 veröffentlicht. Unter dem GVWG fallen auch einige Änderungen, die die Pflegeversicherung betreffen, die sogenannte Pflegereform 2021. Das Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft. Die Umsetzung der zahlreichern Einzelregelungen treten jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Kraft.

Wichtige Änderungen erfahren Sie hier:

  • Beratungsangebot und Beratungsgutscheine

Nach Verkündung des Gesetzes tritt folgende Regelung in Kraft.

Die Pflegekasse  hat der versicherten Person unmittelbar nach Eingang eines erstmaligen Antrags auf Leistungen oder des erklärten Bedarfs einer Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit einen Beratungstermin oder einen  Beratungsgutschein (beides innerhalb von 2 Wochen) anzubieten.

  • Erlöschen der Leistungsansprüche in der Pflegekasse

Nach Verkündung des Gesetzes tritt folgende Regelung in Kraft.

Verstirbt eine versicherte pflegebedürftige Person, so verfallen die Kostenerstattungsansprüche nicht, wenn diese innerhalb von zwölf Monaten nach dem Tod der anspruchsberechtigen Person geltend  gemacht worden sind (z. B. Erstattung von Geldleistung bei Verhinderungspflege).

  • Pflegesachleistungen (ambulanter Pflegedienst)

Die Regelung tritt ab dem 01. Januar 2022 in Kraft.

Die Pflegesachleistung wird für die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegediensts ab Pflegegrad (PG) 2 um 5 % erhöht. Folgende Beiträge stehen dann zur Verfügung:

PG 2 = 724 € / PG 3 = 1.363 € / PG 4 = 1.693 € / PG 5 = 2.095 €

  • Pflegehilfsmittel

Nach Verkündung des Gesetzes tritt folgende Regelung in Kraft.

Pflegefachkräfte können im Rahmen ihrer Versorgung oder der Beratungsseinsätze nach § 37,3 SGB XI eine Empfehlung zur Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelversorgung abgeben. Eine ärztliche Verordnung ist dann nicht mehr nötig. Die Empfehlung dafür ist der Kranken-oder Pflegekasse mit dem Antrag der versicherten Person in Textform zu übermitteln.  

  • Angebote zur Unterstützung im Alltag

Die Regelung tritt ab dem 01.Juli 2021 in Kraft.

Um die ungenutzte ambulante Pflegesachleistung in Angebote zur Unterstützung im Alltag umzuwandeln, ist kein vorheriger Antrag bei der Pflegekasse mehr nötig. Es reicht die entsprechenden Belege zur Kostenerstattung vorzulegen.

  • Übergangspflege im Krankenhaus

Nach Verkündung des Gesetzes tritt folgende Regelung in Kraft.

Versicherte haben unter bestimmten Bedingungen einen Anspruch auf eine Übergangspflege in ihrem behandelnden Krankenhaus, direkt nach ihrer Krankenhausbehandlung für längstens 10 Tage. Ein Anspruch besteht,  wenn nach der Krankenhausbehandlung die notwendigen Leistungen der häuslichen Krankenpflege, der Kurzzeitpflege, der medizinischen Rehabilitation oder Pflegeleistungen der Pflegeversicherung nicht oder nur unter erheblichem Aufwand sichergestellt werden können.

  • Finanzielle Erhöhung der Kurzeitpflege

Die Regelung tritt ab dem 01. Januar 2022 in Kraft.

Das Budget der Kurzeitpflege wird um 10 % erhöht. Für die Pflegegrade 2 bis 5 stehen bis zu 1.774 € jährlich zur Verfügung. In Kombination mit der Verhinderungspflege kann die Kurzzeitpflege auf bis zu 3.224 €  pro Jahr aufgestockt werden.

  • Begrenzung des pflegebedingten Eigenanteils in Pflegeeinrichtungen

Die Regelung tritt ab dem 01. Januar 2022 in Kraft.

Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 erhalten in der vollstationären Pflege einen Leistungszuschlag zu dem von ihnen zu zahlenden Eigenanteil an den pflegebedingten Aufwendungen in Höhe von 5 % im ersten Jahr, von 25 % im 2. Jahr, von 45 % im 3. Jahr und von 70 % ab dem 4. Jahr.

Beispiel: Bei einem Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) vom im Bundesdurchschnitt 831 Euro (Stand 01.01.2021) erhält ein*e Heimbewohner*in im ersten Jahr durchschnittlich 41,55 Euro.

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